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Geschichte der Alt-Weiler Kirche

Teil 1

Die evangelische Kirche Alt-Weil ist 225 Jahre alt. Im September 1791 wurde das Kirchenschiff eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Es war ein großes und bedeutsames Ereignis für die gesamte Einwohnerschaft Alt-Weils. Viele Generationen hat sie seither als Gotteshaus gedient, Trost und Begleitung durch Gottes Wort haben viele Generationen hier immer wieder erfahren, in den gottesdiensten, Andacchten, Feierstunden und geistlichen Musiken. Die Kirche ist der Ort, wo sich die Gemeinde trifft und wo sie christliche Gemeinschaft lebt und erlebt. Die Kirche ist vertrauter und wesentlicher Mittelpunkt. Und dies alles ist Grund genug, wieder einmal in den Annalen zu blättern, in den Annalen der Kirchenbaugeschichte.

Dritte Kirche
Mit dem Neubau der dritten und heutigen Kirche konnte 1789 begonnen werden; die Pläne dafür fertigte Landesbaumeister Wilhelm Jeremias Müller an. Man behielt den Kirchturm bei und errichtete östlich davon den neuen Chor und das Langhaus. Für den Materialtransport errichtete man oberhalb des Riehener Stegs eigens eine Brücke über die Wiese. Umliegende Gemeinden besorgten den Steintransport als Fronarbeit. Um die Brücke weniger zu belasten wurden die Bruchsteine auf dem Riehener Lagerplatz behauen. Die Steinfuhren wurden auf Bennenwagen vorgenommen – eine Fuhre konnte rund zwei Kubikmeter Material fassen. Rund 240 Fuhren waren für die Errichtung der Kirche notwendig. Als Bauholz verwendete man Bäume, die im Dossenbacher Wald zwischen Schopfheim und Dossenbach geschlagen hatte. Insgesamt 59 Stämme Großholz, 192 Stämme Mittelholz und 81 Stämme Kleinholz verwendete man für Sprengwerke, Bünde, Gebälk und Streben. Für das Abholz fand die Weiler Gemeinde selbst Verwendung, nachdem zunächst vorgeschlagen wurde, das Abholz in Dosenbach zu versteigern. Die Holzfuhren übernahmen ebenfalls als Frondienst die Gemeinden Fahrnau, Hausen im Wiesental und Raitbach.[6] Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Kirche im September 1791 eingeweiht.

Teil 2

Da der alte Turm neben dem neuen Langhaus nur unwesentlich höher war und 1825 darüber hinaus der Wunsch geäussert wurde, eine dritte Glocke einzubringen, wurde im selben Jahr von der Bezirksbauinspektion eine Erhöhung des Kirchturms vorgeschlagen. Planungen dazu sahen vor, auf den alten Turm eine klassizistische Glockenstube mit Doppelarkaden, umlaufenden Geländer runden Ecksäulen und ein Pyramidendach als Abschluss aufzusetzen. Als Kostenvoranschlag für diese Maßnahmen rechnete man mit 3154 Gulden. Da eine dritte Glocke etwa 6 bis 8 Zentner wiegen würde hatte man bedenken, dass die alten Fundamente den deutlich schwereren Turm tragen würde. Aus diesem Grund plante man einen völlig neuen Turm, der jedoch bei der Abstimmung im Juli 1828 an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit scheiterte. Damit legte man die Pläne zur Turmerhöhung zunächst beiseite. Erst im Jahr 1905 prüfte ging ein Schreiben von der Evangelischen Kirchenbauinspektion Karlsruhe an die Großherzogliche Bezirksbauinspektion Lörrach, die um Vorschläge zur Turmerhöhung bat. Nachdem nach neuerlichen Plänen keine statischen Bedenken mehr bestanden konnten im Dezember mit den Roharbeiten begonnen werden. Für die Aufstockung griff man auf die Maßverhältnisse der Gotik zurück. Man setzte dem Turm ein Satteldach auf, um die Proportionen so wirken zu lassen als sei die Kirche in einem mit dem Turm entstanden.
1939 wurde während der Renovierung die Sakristei von der nördlichen Chorseite in die Mitte des Chors verlegt und vom Kirchenraum durch einen Vorhang abgetrennt. Der Altar und Taufstein aus Sandstein erhielt seine ursprüngliche Form wieder und unter der Westempore wurden Trennwände zwischen Langhaus und den Emporenaufgängen eingezogen. Dies wurde 1978 im Zuge weiterer Renovierungsarbeiten ebenso wie die Verlagerung der Sakristei wieder rückgängig gemacht. Im Turm wurde ein farbiges Fenster eingebracht, das der Basler Kunstmaler Hans Studer erschuf.i Rötteln sorgten für baldige Instandsetzung der Kirche.

Teil 3

Lage und Kirchenbau
Die Kirche der Siedlung Alt-Weil steht in deren Dorfkern und befindet sich heute östlich vom Zentrum der Stadt Weil am Rhein. In westlicher Nachbarschaft dazu befindet sich das Museum am Lindenplatz.
Das Satteldach bedeckte Langhaus der Kirche besteht aus einem rechteckigen Saalbau und dem nordwestlich anschließenden Glockenturm, dessen Satteldach quer zum Langhaus liegt. Über dem Chor ist das Dach abgewalmt. Zu den Längsseiten verfügt der Hauptbau je vier hohe, halbrund abschließende Fenster und je ein Seitenportal mit einem kleinen Fenster darüber. Weitere Eingänge befinden sich an der Chorseite und der Westfassade am Turm. Alle Portale sind mit einem Pultdach geschützt. Der Glockenturm hat zu jeder der vier Seiten halbrund abschließende Schallarkaden und an den Giebelseiten je ein Zifferblatt. Die Kirche wird nördlich und westlich von einem kleinen Park gesäumt. Auf dem Flächenstück westlich des Glockenturms erkennt man auf dem Boden ein kleines Mäuerchen, welches den Grundriss der Kirche von 1323 markieren.
Innenraum und Ausstattung
Der helle Innenraum ist mit einer flachen Decke eingezogen, die mit Zahnfries und Profilstäbe geschmückt sind. An der westlichen Giebelseite, teilweise an den Langhauswänden und im Chor befinden sich Emporen; in der letzteren wurde die Orgel installiert.
Der Taufstein und die barocke Kanzel mit Schalldeckel stammen von 1323. Das aus Holz geschnitzte Kruzifix, welches die Kirche vom Domstift in Arlesheim 1717 erhielt, weist ein bemerkenswertes Detail am linken Fuß des gekreuzigten Jesus auf: der Künstler verpasste der Figur sechs Zehen. Es wird davon ausgegangen, dass dies kein Versehen war sondern sinnbildlich darauf hinweisen soll, dass Christus „im Geiste Gottes steht“, da auf dem Standbein die Last des Herzens ruhe.

Teil 4

Glocken und Orgel
Die Alt-Weiler Kirche hat ein vierstimmiges Geläut. Die kleine c′ -Glocke von 1920 stammt von einer unbekannten Gießerei, die drei größeren Bronzeglocken wurden 1950 von Bachert aus Karlsruhe gegossen und auf die Töne f′, as′ und b′ gestimmt.
Die ursprüngliche Orgel wurde in den Jahren 1790 bis 1803 von Philipp Schäfer aus Ötlingen geschaffen. Dem Instrument wurde 1967 von G. F. Steinmeyer & Co. ein neues Werk mit Schleiflade eingebaut und verfügt seither drei Manuale, ein Pedal und 24 Register. Ein Rückpositiv wurde 1979 eingebaut, dass sieben weitere Register umfasst.
Epitaphe

Grabtafel Gustave Fechts
Im Langhaus befinden sich an der Nordwand Epitaphe in barocker Umrahmung. Sie erinnern an Joh. Christoff von Berenfels († 1629), seine Ehefrau Clementia Waldnerin von Freudstein († 1644), deren zwei Söhne Adelberg von Berenfels († 1642) und Hannibal von Berenfels († 1679). Darunter befindet sich eine Tafel, die an den Namen und das Todesdatum der Tochter als Stifterin erinnert: Maria Elisabetha von Berenfels († 3. Mai 1684). In einer weiteren Tafel wird an zwei Soldaten gedacht, die in Dole begraben liegen: A. Ludin († 15. Februar 1871) und W. Marx († 17. Februar 1871)
An der Südfassade des Langhauses sind von West nach Ost die Grabstein folgender Personen angebracht: Joh. Laurenzius Rheinberger, Pfarrer († 1. Juli 1754), Nicolaus Scheerer, Vogt († 1712) und Fridlin Schneider, Stabhalter und Vogt († 8. November 1649). An der Choraußenseite hängt eine Grabplatte von Gustave Fecht († 23. April 1828), die eine Freundin des Mundartdichters Johann Peter Hebel war.

Quelle: WIKIPEDIA

Kirche Zeichnung
 

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